"Appelrath´s Knobeleien"

"Wahlknobelei" am 22. Juni 2009

Lösung:
Das Wahlergebnis ist bei diesem Beispiel besonders abhängig von der Wahlmethode:

  • Bei der „Methode der einfachen Mehrheit“ (Pluralitätswahl) gewinnt Kandidat C mit 8 Stimmen. Kandidat B erreicht 7 und Kandidat A 6 Stimmen. Wahlergebnis: C vor B vor A.
  • Bei der „Methode der paarweisen Abstimmungen“ (Condorcet-Methode) gewinnt Kandidat A gegen jeden anderen Kandidaten. Kandidat C verliert gegen jeden anderen. Wahlergebnis: A vor B vor C.
  • Bei der „Borda-Wahl“ entsteht folgendes Wahlergebnis. Kandidat B erreicht 44 Stimmen, Kandidat A 43 und Kandidat C 39 Stimmen. Wahlergebnis: B vor A vor C.

Weitere Informationen:
Die Sozialwahltheorie, auch Theorie kollektiver Entscheidungen genannt, beschäftigt sich mit den Problemen und Paradoxien, die bei der Aggregation von individuellen Entscheidungen zu einer kollektiven Entscheidungen entstehen, und deren Vermeidung. Die Bedeutung des Wahlverfahrens wird relativiert, wenn man die Bildung von Koalitionen in die Analyse mit einbezieht. So ergibt sich, dass ein vorhandener Condorcet-Sieger, auch Mehrheits-
alternative genannt, sich in allen Wahlverfahren durchsetzt, in denen die Beteiligten gleiches Stimmengewicht haben, sofern folgende Bedingungen gegeben sind:

  • Jeder Beteiligte kennt die Präferenzen der anderen Beteiligten (Transparenz der Interessen).
  • Jeder stimmt so ab, dass das für ihn beste Resultat erzielt wird (Rationalverhalten), was nicht seinen tatsächlichen Präferenzen entsprechen muss.
  • Verbindliche Wahlabsprachen sind möglich (unbehinderte Bildung von Koalitionen).
  • Das Wahlverfahren bevorzugt keine der Alternativen (Bedingung der Neutralität).
  • Es kommt demnach in der politischen Praxis nicht auf komplizierte und ausgeklügelte Wahlverfahren an, sofern Meinungsfreiheit herrscht und Wahlbündnisse rechtlich und zeitlich möglich sind.

Links:
Wolfgang Leininger: Die Mehrheit entscheidet. Wirklich? Zur Logik von Kollektiventscheidungen und der Fiktion des demokratischen Wählerwillens
Ralf Grötker: Kaputte Wahlen. Telepolis 16.09.2005